WARUM KUNST?

Dass ich »Maler« oder »Künstler« geworden bin, ist gewissermaßen das Ergebnis einer Krankheit. Die Krankheit? Depression. Ich bin durch die Hölle gegangen über Jahre hinweg, und ein therapeutischer Ansatz seinerzeit während eines Klinikaufenthaltes war eben das Malen. 2009 begann ich dann, mich intensiver mit »informeller Kunst« zu beschäftigen (auch kunstgeschichtlich) – und fand Gefallen am gestisch-informellen Ausdruck, ich hatte etwas gefunden, das neu war für mich, meinem Leben eine neue Richtung (»Perspektive«) und Dynamik gab. Bereits 2010 beantragte ich meine Mitgliedschaft in der Wittgensteiner Kunstgesellschaft ‘80 e.V. – und ich wurde aufgenommen. Im Kreis Siegen-Wittgenstein richtete ich in den folgenden Jahren zahlreiche Einzelausstellungen aus, dazu nahm ich an vielen Gemeinschaftsausstellungen der Wittgensteiner Kunstgesellschaft teil und machte mir mit meiner Art des künstlerischen Ausdrucks durchaus einen gewissen Namen. Innerhalb eines Jahrzehnts schuf ich über 1.000 Werke, große wie kleine, Arbeiten auf Papier, Pappe, Holz, Leinwand. Mein »Kunstverständnis« lässt sich auf eine ganz simple Formel bringen: »Malspuren sind Tatspuren und Lebensspuren.«

ENTSTANDENES

Naturgemäß ist es so, dass ein Künstler – auch im Internet – zeigen will, was er so »draufhat«. Das ist ja auch nicht falsch. Ich indes will hier nicht »protzen« mit hunderten von Reproduktionen (Fotos) entstandener Werke, denn es ist nicht meine Absicht, diese Internetpräsenz als »Warenhaus« zu »missbrauchen«; überhaupt besitze ich ohnehin nur noch einige wenige »Restbestände« und es ist in der Tat so, dass ich auch heute noch staune darüber, dass es für diese Art der Kunst, informelle Kunst, immer noch einen Markt gibt, obgleich die »akademische« Kunstgeschichte nicht müde wird zu behaupten, dass diese Stilrichtung eigentlich nur noch in die Kategorie »Es war einmal« gehört. Und dass mein »Entstandenes« nicht herausragend originell ist oder »Avantgarde«, weiß ich selbst.

SCHENKUNGEN

Ich zeige mich gern erkenntlich. Viele, die mich auf meinem nicht immer leichten Lebensweg begleitet haben, werden das bestätigen können, selbst Bürgermeister von Städten und Kommunen, Journalisten, Geschäftsführer von Bankhäusern. Ich habe von vielen Menschen viel Gutes (Hilfe) erfahren – und wenn ich schenke, dann ist das meine Form, danke zu sagen, denn dass einem Gutes widerfährt, heutzutage, ist nichts Selbstverständliches mehr.

Quelle: Siegener Zeitung vom 2. Juli 2016, S. 2. © Rainer Daus

TRADITIONSVERMITTLUNG

Meine Erfahrung: Nichts macht Kinder selbstbewusster oder »stärker«, als sie selbst etwas schaffen oder machen zu lassen, auf das sie stolz sein können. Es ist unsere Aufgabe, die Aufgabe der Erwachsenen, Kinder und (nach Orientierung suchende) Jugendliche nicht nur in unsere Welt hineinzuführen, ihnen zu erklären (zumal mittels Sprache), was das ist, die Welt, was sie zusammenhält im Kern (»Werte und Normen«), wie Welt funktioniert (Marktwirtschaft, Politik, Arbeitswelt etc.), sondern es ist unsere verdammte Pflicht, dass wir – im Rahmen unserer Möglichkeiten – den Kindern dabei helfen, starke, selbstbewusste Persönlichkeiten zu werden, was nicht zuletzt dadurch gelingt, dass wir ihnen auch »Erfolgserlebnisse« vermitteln. Jeder von uns sehnt sich nach Anerkennung – und in besonderem Maß, wie ich finde, Kinder und junge (pubertierende) Menschen, zumal Jungs. Wenn ich Kinder oder Jugendliche unter meiner »fachlichen Anleitung« malen lasse, dann erfahren sie nicht nur durch konkretes Tun, was das »Wesen der informellen Kunst« ist (Traditionsvermittlung), sondern sie erfahren vor allem sich selbst in ihrem Tun und Selbst-Machen. Ich lasse sie erleben und erfahren, dass sie etwas können, was andere nicht können, nämlich Werke zu schaffen, die es in dieser Form kein zweites Mal gibt (»Einzigartiges«), sie können sehen und anfassen, was sie »erschaffen« haben, »Kunstwerke«, die ihnen von verschiedener Seite Anerkennung und Wertschätzung einbringen (indes selten von der »klassischen« Kunstlehrerin in der Grundschule!). Freilich lässt bei dem oder dem irgendwann das Interesse am Malen nach, Neues tritt in das Leben ein, eine Freundin, Umdiehäuserziehen mit den Kumpels, Go-Cart-Fahren oder was weiß ich. Jedoch: Die frühe Erfahrung, etwas geschaffen zu haben mit eigener Hand, etwas Einzigartiges, auf das man stolz sein kann, wird bleiben ein Leben lang.

2011: das erste Informelle Werk »number one« von Enric Schumacher © Rainer Daus
2017: Enric Schumacher präsentierte in der Gruppenausstellung FLIESSEND der Wittgensteiner Kunstgesellschaft seine Werke »Hands« und »Stream of colour«. Beide Werke befinden sich heute in der Kunstsammlung der Galerie 62 in Bonn © Rainer Daus

KUNST-/KÜNSTLERMARKETING

Für alles gibt es heutzutage einen sogenannten Markt, selbst für »getragene Damenunterwäsche« und »kaputte Socken«. Märkte gab es schon immer, wird es immer geben, selbst in Krisenzeiten. Auch der Kunstmarkt macht da keine Ausnahme. Zu jeder Zeit gibt es Menschen, die Kunst, in welcher Form auch immer, »produzieren«, gibt es andere, die in Kunst »investieren«.
Deswegen bin ich bestrebt, Kunst und Künstler der Wittgensteiner Kunstgesellschaft ‘80 e.V. auch überregional bekannter zu machen, das heißt: »neue Märkte« zu erschließen. Die gelungene und sehr gut besuchte Gemeinschaftsausstellung der Wittgensteiner Kunstgesellschaft im Informationszentrum Kump in Hallenberg (Oktober 2019) ist ein erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung gewesen; weitere Schritte sollen folgen, insbesondere in den Großraum Siegen hinein.

Quelle: Siegener Zeitung vom 19. Oktober 2019, Seite 10.

Ganz allgemein lässt sich sagen: Kunst ohne Vermarktung ist brotlose Kunst beziehungsweise absurd. Es ist wider die Natur der bildenden zeitgenössischen Kunst, wenn man sie nicht in den öffentlichen Raum bringt, das heißt: zeigt. Freilich: Ein Künstler will in erster Linie schaffen, er will sich ausdrücken in Farbe und Form und so fort, und das will er tun möglichst ungestört von früh morgens bis zum späten Abend, vorausgesetzt, er befindet sich nicht in einer »Schaffenskrise«, was nicht selten vorkommt bei einem Künstler. Dass es das Wesen eines Künstlers ist, schaffen zu wollen, ist ja auch gut und richtig, aber daneben sollte ein Künstler auch bestrebt sein, seine Kunst »irgendwie unters Volk« zu bringen, sprich zu vermarkten. Denn auch ein Künstler kann nicht allein »von Luft und Liebe« leben.

Stefanie Lückel: »Collapse of nature« (2020) [Sammlung Daus]
Stefanie Lückel: »The desperate man« [Covermotiv]
Angesichts dieser Tatsache bzw. Erfahrung habe ich es mir auch zur Aufgabe gemacht, eine herausragende junge Künstlerin der Wittgensteiner Kunstgesellschaft, Stefanie Lückel, nicht nur in ihrer künstlerischen Entwicklung zu unterstützen, sondern sie und ihre (noch) »spezielle« Art der Kunst zu vermarkten. Aus der Rückschau betrachtet bin ich froh und dankbar, diese junge Künstlerin kennengelernt und für die Wittgensteiner Kunstgesellschaft »rekrutiert« zu haben.